Chili-Ausstellung im Wilhelma-Wintergarten: Eine teuflisch scharfe Sache

Sie sind hell- oder feuerrot, knallgelb, lila und sogar schokobraun, heißen „Feuerwehr“, „Roter Habanero“ oder „Hot Lemon“, und es gibt sie von mild bis höllisch scharf: die über 60 Arten von Capsicum-Pflanzen, besser bekannt als Paprika und Chili, welche die Wilhelma-Gärtner an verschiedenen Stellen im Wintergarten zu einer kleinen Sonderausstellung arrangiert haben. Noch bis 19. Oktober können die Besucher die scharfen Schoten hier besuchen und begutachten – inklusive der schärfsten Chili-Art der Welt, der „Bhut Jolokia“. Vor Berührungen oder gar Kostproben sei daher dringend gewarnt!

Warum sind Chilis überhaupt so scharf? Die Antwort liegt eigentlich recht nahe: Die Chili-Pflanzen halten auf diese Weise die vielen hungrigen Mäuler der Säugetiere davon ab, sie zu verzehren. Tiere dagegen, die für die Verbreitung der Samen sorgen sollen, nämlich die Vögel, sind gegen die Schärfe immun – sie verspeisen die Früchte und verteilen die Samenkörner mit ihrem Kot. Verantwortlich für das brennende Gefühl in unserem Mund ist das sogenannte Capsaicin, ein weder durch Kochen, Trocknen oder Frieren zerstörbarer sekundärer Pflanzenstoff. Der vom Capsaicin bestimmte Grad der Schärfe wird dabei aber nicht etwa von den Geschmacksnerven wahrgenommen, sondern von Rezeptoren, die für Schmerzreize durch Hitze und chemische Stoffe zuständig sind. Dabei reicht die Bandbreite der Schärfe- bzw. Schmerzgrade verschiedener Chilis von null bis eine Million Scoville-Einheiten – benannt nach einem amerikanischen Pharmawissenschaftler gleichen Namens. Die Gemüsepaprika hat dabei höchstens zehn Scoville vorzuweisen, die Peperoni schon bis zu 500, Tabasco bis 5.000 und ab reinem Cayenne-Pfeffer wird es erst so richtig spannend: Dieser hat schon bis zu 50.000 Scoville, die schärfste Chiliart, die „Bhut Jolokia“ bringt es aber sogar auf über eine Million Scoville – und kam dafür 2006 ins Guiness-Buch der Rekorde. Das brennt wie Feuer! Bei einem handelsüblichen Pfefferspray verdoppelt sich diese Schärfe-Dosis allerdings nochmals, und würde man den Schärfegrad von Capsaicin in reinster Kristallform bewerten, kann es auch 15 bis 16 Millionen Scoville erreichen. Die Schärfe jeder Chili hängt nicht nur von der Sorte, sondern auch vom Standort ab: Je heißer, sonniger und trockener dieser ist, desto schärfer werden die Früchte.

Dafür sind die ursprünglich vor allem aus Mittelamerika und Südamerika stammenden Capsicum-Pflanzen ziemlich gesund: Sie enthalten viel Vitamin C, das Capsaicin wirkt antibakteriell und fungizid, tötet also Pilze ab. Und im Gegensatz zu vielen anderen Mitgliedern aus der riesigen Familie der Nachtschattengewächse – zu denen Capsicum-Pflanzen ebenso gehören wie Kartoffeln und Tomaten, aber auch Tollkirschen, Stechapfel und Tabak – sind Chilis und Paprika nicht giftig, sprich enthalten kein Solanin, das erst durch Hitze zerstörbar ist: Sie können also auch roh gegessen werden. Nicht umsonst wurde Paprika schon um 2500 v. Chr. in Bolivien und Peru gerne kultiviert.

(Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart, Foto: Besucher vor einem bunten Chili-Strauch der Sorte „Bolivian Rainbow“)

 

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