Studierende produzieren Fernsehsendung zur Internetsucht

Zu Wort kommen Süchtige, Berater und Wissenschaftler: Für ihre Talkshow „Droge Internet: Glücksgefühle im Netz“ arbeiten angehende Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim mit Profis aus dem Evangelischen Medienhaus zusammen. Eine Kooperation, die in diesem Jahr 12-jähriges Jubiläum feiert – zum Vorteil von Studierenden, Medienhaus und einer Öffentlichkeit mit Interesse an sozialen Themen mit Biss. Alle Ergebnisse auch auf dem Youtube-Kanal der Universität www.youtube.com/unihohenheim.

Die Internet- oder auch Onlinesucht greift um sich: Rund 560.000 Menschen in Deutschland sind davon betroffen. Damit gibt es mehr Internet- als Spielsüchtige. Unter Jugendlichen ist die Sucht besonders verbreitet, doch auch bei Erwachsenen steigt die Zahl. Als Krankheit ist das Phänomen allerdings noch nicht offiziell anerkannt.

In der Sendung „Droge Internet: Glücksgefühle im Netz“ diskutieren Wissenschaftler und Berater über das Problem. Johannes Breuer, Medienwissenschaftler der Universität Hohenheim, Davena Wittlinger, Suchtberaterin bei der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart und Clarissa Corrêa da Silva vom Verein Medienkompetenz 2.0 geben Antworten: Ab wann ist man online-süchtig? Woran kann man süchtiges Verhalten erkennen? Und wie kann man sich davor schützen?

12 Jahre Kooperation von Universität und Medienhaus

Die Sendung selbst ist Teil der Serie Alpha & Omega, einer Talk-Sendung zu kirchlichen und sozialen Themen. Entstanden ist sie im Rahmen eines Workshops, der Studierenden Schlüsselqualifikationen vermitteln soll. Einen kompetenten Leiter fand die Universität in Jürgen Kaiser, Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses. Kaiser ist auch Lehrbeauftragter an der Universität Hohenheim: Im Wintersemester leitet er Kurse zum Thema Interview und Reportage, im Sommersemester den Workshop zur Produktion einer Fernsehsendung. „Da gehört dann alles dazu: Von der Recherche über Dreh und Schnitt bis hin zur Aufzeichnung der Sendung.“

Win-Win-Sitution für beide Partner

„Uns ist vor allem wichtig, dass wir nicht für die Tonne produzieren“, sagt Rainer Bluthard, Mitarbeiter am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft, insb. Journalistik. „Die Studierenden investieren hier viel Arbeit. Da soll auch ein Produkt herauskommen, das Verwendung findet. Gleichzeitig können sie die Sendung bei Bewerbungen als Referenz verwenden.“

Doch auch das Evangelische Medienhaus profitiert, erklärt Kaiser: „Zum einen kommen wir so in Kontakt mit jungen Talenten – nicht selten landen die Studierenden später einmal als freie Mitarbeiter bei uns – und zum anderen können wir hier zeigen, was wir im Medienhaus alles machen und wie wir arbeiten.“

Herausforderung trotz hoher Vorkenntnisse

Gerade das ist es auch, was für die Studierenden zählt: „Klar habe ich schon einmal Interviews geführt. Aber mit einem Kameramann unterwegs sein, einen Beitrag mit professionellem Cutter schneiden und eine komplette Sendung planen – das sind Sachen, die man normalerweise im Studium nicht mitbekommt“, erzählt Natascha Könches. Sie studiert im sechsten Semester Kommunikationswissenschaft und hat bereits für das Hochschulradio Stuttgart (HoRadS) gearbeitet. „Der Workshop hat mir gezeigt was es heißt eine TV-Sendung zu produzieren. Das lernt man nicht in einer Vorlesung.“

„Der Dreh mit einem betroffenen Internetsüchtigen war mit das Spannendste: Wir wussten nicht, wie er reagiert, ob er unsere Fragen beantwortet, oder doch noch einen Rückzieher macht“, erzählt Katharina Gerstheimer. „Da muss man schon sehr sensibel sein. Immer sagt man sich: Hoffentlich habe ich jetzt nichts falsch gemacht“, Auch sie studiert im sechsten Semester Kommunikationswissenschaften – das Arbeiten mit einer Kamera war für sie allerdings eine Premiere.

Nicht so für Zweitsemester Aurel Flubacher: Er wollte eigentlich immer zum Film, hat bereits bei einer Tatort-Produktion ein Praktikum gemacht. „Für mich war das journalistische Arbeiten neu. Interviews führen, das kannte ich bisher nur aus dem Uni-Kurs. Jetzt kann ich mir aber auch sehr gut vorstellen, in diese Richtung weiter zu machen.“ Auch seinen Kommilitonen Jonathan Rebmann hat das Fernsehfieber erfasst: „Bei der Aufzeichnung habe ich sogar mit Regie geführt – nicht ganz einfach, wenn man die Bilder mehrerer Kameras im Blick haben und gleichzeitig noch auf den Inhalt achten muss.“

Gute Erfahrung – und gutes Ergebnis!

„Natürlich haben auch die erfahrenen Kollegen von Medienhaus und Produktionsteam ein Auge darauf, dass alles klappt und am Ende sendefähig ist. Sie geben auch Tipps und Ratschläge“, weiß Rainer Bluthard, „aber wir achten auch darauf, dass die Studierenden möglichst viel alleine machen.“ Er ist für die Studierenden während des Semesters Ansprechpartner für alle technischen Fragen. „Da kommt aber kaum etwas. Meistens kommen die Studierenden nach einer kurzen Einweisung ganz gut alleine zurecht.“

Fazit der Studierenden: Wer sich im Studium für den Journalismus als Richtung entscheidet, sollte auf jeden Fall die Schlüsselkompetenz-Seminare besuchen: „So eine Gelegenheit bietet sich wirklich nicht oft. Dafür ist das Studium viel zu straff organisiert“, meint Katharina Gerstheimer und Jürgen Kaiser fügt hinzu: „Und die Sendung kann sich wirklich sehen lassen!“

(Presseinfo Uni Hohenheim, Foto: Diskutieren zum Thema „Droge Internet“: Johannes Breuer, Moderatorin Heidrun lieb, Davena Wittlinger, Clarissa Corrêa (c) Jürgen Kaiser)

 

 

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