Nachwuchs bei den Ziegen in der Wilhelma

 Vor rund einem Monat erblickten die drei kleinen Markhore, auf deutsch „Schraubenziegen“ genannt, das Licht der Welt. Seither gehen sie am liebsten gemeinsam, als Kindergartentrupp, auf Entdeckungsreise. Dabei bewegen sie sich schon fast so elegant und trittsicher über Stock und Stein wie die erwachsenen Herdenmitglieder.

Um so imposante Hörner zu tragen wie sein Vater Harry, muss das Böckchen unter den drei jungen Markhoren wohl noch eine ganze Weile warten beziehungsweise wachsen. Bis zu beachtliche 1,6 Meter Länge können die schraubenförmigen Hörner der Böcke im Laufe ihres Lebens erreichen. Bei Markhoren tragen die Weibchen in der Regel ebenfalls Hörner, die allerdings kleiner bleiben. Ihrem markanten Kopfschmuck verdanken die aus Zentralasien stammenden Markhore auch ihren deutschen Namen „Schraubenziege“, der zudem ihre nahe Verwandtschaft zu unseren Hausziegen anzeigt. Die Bezeichnung „Markhor“ dagegen leitet sich von zwei persischen Wörtern ab: von mar für „Schlange“ und khor für „Esser“ – Markhor bedeutet also „Schlangenesser“. Da sich Schraubenziegen nicht von Schlangen, sondern rein pflanzlich ernähren, muss es eine andere Erklärung für den Namen geben. Auf der Suche danach stößt man auf eine Sage, in der ein Markhor eine Schlange tötet und verspeist. Und es gibt den Aberglauben, dass der Schaum, der den Tieren beim Wiederkäuen aus dem Mund tropft, in getrockneter Form als Gegengift bei Schlangenbissen helfen soll. Eine einfachere Erklärung liefern vielleicht die Hörner selbst, die an sich windende Schlangen erinnern.

Wie alle Ziegenartigen sind auch Markhore an das Leben im Hochgebirge ihrer Heimat, die von Afghanistan bis Indien reicht, hervorragend angepasst. Mit Leichtigkeit erklimmen sie die steilsten Felsen, und das bis in Höhen von 3600 Metern. Anders als ihre Verwandten – etwa die Steinböcke – scharren Markhore ihre Pflanzennahrung nicht mit den Hufen unter dem Schnee hervor. Sie bevorzugen andere Methoden, um auf ihre Kosten zu kommen: Sie suchen zunächst die tiefer gelegenen, immergrünen Laubwälder auf, wo vor allem die Jungtiere und leichteren Geißen geschickt im Geäst von Sträuchern und niederen Bäumen umherklettern und das Laub abknabbern. Da sich unter ihrem Gewicht die Äste zu Boden biegen, kommen unten aber auch die Böcke und schwereren Geißen zu ihrem täglich Brot. Zerren die am Boden gebliebenen Herdenmitglieder jedoch zu stark an den Ästen, kommt es schon mal vor, dass ihre oben balancierenden Artgenossen wie reife Äpfel vom Baum fallen – dabei aber natürlich geschickt und unverletzt landen.

In ihren natürlichen Verbreitungsgebieten sind Markhore heute leider eine seltene Erscheinung. Jagd und Lebensraumzerstörung haben sie an den Rand des Aussterbens gebracht. In Zoos findet man Schraubenziegen ebenfalls nur selten. Die zwei weiblichen und das männliche Zicklein, welche nun die Wilhelma-Herde verstärken, sind also nicht nur niedlich, sondern auch seltene Kostbarkeiten.

(Presse Wilhelma Stuttgart, Foto: Die kleinen Markhore sind schon früh fast so „gut zu Huf“ wie ihre Mütter – die, wie man auf den Bildern sieht, bei dieser Art ebenfalls Hörner tragen. Nicht mit ins Bild wollte der Vater der Kleinen, Bock „Harry“, den sein Nachwuchs aber ohnehin nicht sehr interessiert, (c) Presse Wilhelma Stuttgart)

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